Produktfotos für den Shop, was du selbst machen kannst

Die Marmelade sieht im Regal gut aus. Auf dem Shopbild sieht sie aus, als stünde sie in einer Tiefgarage. Gelbstich von der Deckenlampe, Schatten quer über das Etikett, im Hintergrund der Kalender vom Getränkehändler.
Das liegt fast nie an der Kamera. Handys machen seit Jahren Bilder, die für einen Onlineshop völlig ausreichen. Es liegt am Licht, am Untergrund und daran, dass die Bilder nacheinander unter verschiedenen Bedingungen entstanden sind.
Der gute Teil: Der Aufbau, mit dem du das löst, kostet fast nichts und passt auf einen Tisch am Fenster. Hier steht, wie er aussieht und in welcher Reihenfolge du arbeitest.
Produktfotos selber machen: der Aufbau am Fenster
Du brauchst drei Dinge: ein Fenster, eine helle Fläche und etwas, das Licht zurückwirft.
- Das Fenster ist deine Lichtquelle. Nimm eines, in das die Sonne nicht direkt hereinknallt, also Nord- oder Ostseite am Nachmittag. Direkte Sonne macht harte Kanten und ausgebrannte Stellen.
- Die Fläche ist ein Tisch direkt am Fenster, seitlich zum Licht. Darauf ein großer weißer Bogen Papier oder Karton, den du hinten an die Wand oder an einen Stuhl lehnst, sodass eine weiche Kurve entsteht. Diese Kurve sorgt dafür, dass hinter dem Produkt keine Kante zu sehen ist.
- Der Reflektor ist ein zweiter weißer Karton auf der fensterabgewandten Seite, schräg zum Produkt. Er hellt die Schattenseite auf. Wer es genauer will, klebt Alufolie darauf, die Wirkung ist stärker und etwas kälter.
Das ist alles. Kein Blitz, keine Lampe, keine Softbox. Sobald du zusätzliches Kunstlicht dazuschaltest, mischen sich zwei Farbtemperaturen und dein Produkt bekommt eine Seite, die gelb ist, und eine, die blau ist.
Der wichtigste Punkt: markiere die Position
Kleb dir mit Malerkrepp die Standposition des Produkts und die Standposition deiner Füße auf den Boden. Klingt übertrieben, ist aber der Unterschied zwischen einer Übersichtsseite, auf der alles ruhig nebeneinander liegt, und einer, auf der jedes Produkt anders groß und anders angeschnitten ist.
Tageszeit und Wetter
Der beste Tag für Produktfotos ist ein gleichmäßig bewölkter. Die Wolkendecke ist ein riesiger Diffusor, das Licht bleibt über Stunden konstant. An einem Tag mit wechselnder Bewölkung hast du innerhalb einer Serie drei verschiedene Lichtstimmungen.
Fotografiere deshalb blockweise. Alles, was in dieselbe Kategorie gehört, in einer Sitzung. Wenn du in zwei Wochen nachlegen musst, findest du das gleiche Licht nur schwer wieder.
Einstellungen am Handy
- Putz die Linse. Ernsthaft. Das ist der häufigste Grund für milchige Bilder.
- Schalte den Blitz aus, dauerhaft, nicht auf automatisch.
- Nutze die Hauptkamera, nicht die Ultraweitwinkel-Linse. Weitwinkel verzerrt Kanten, gerade Kartons sehen dann schief aus.
- Geh einen Schritt zurück und zoome leicht heran, statt ganz nah heranzugehen. Das Produkt wirkt natürlicher.
- Tippe auf das Produkt, um Schärfe und Belichtung zu setzen, und zieh die Belichtung leicht nach unten, wenn Weiß ausbrennt.
- Handy auf ein Stativ oder wenigstens auf einen Bücherstapel. Freihand bei Fensterlicht ergibt weiche, unscharfe Bilder.
Welche Bilder du je Produkt brauchst
Drei bis fünf reichen, aber es sollten immer dieselben drei bis fünf sein:
- Das Hauptbild: Produkt frei auf hellem Grund, mittig, immer im gleichen Bildausschnitt. Das ist das Bild, das in Kategorie, Warenkorb und Suchergebnis erscheint.
- Das Detail: Naht, Material, Verschluss, Zutatenliste. Genau das, was in Rückfragen am häufigsten vorkommt.
- Die Größenreferenz: Produkt in der Hand oder neben einem bekannten Gegenstand. Spart dir die halbe Retourenquote bei Ware, deren Größe man schlecht schätzt.
- Die Anwendung: Produkt im Einsatz. Die Tasche am Fahrrad, das Schneidebrett auf der Arbeitsplatte, die Kerze auf dem Tisch.
- Bei Textilien und allem mit Varianten: jede Farbe einzeln, keine Sammelaufnahme.
Halte dich an ein einziges Seitenverhältnis, am besten quadratisch. Sobald ein Produkt hochkant und eines quer ist, wirkt die Übersichtsseite unruhig, egal wie gut die Einzelbilder sind. Was danach mit Dateigröße und Format passiert, steht in Bilder fürs Web richtig skalieren und komprimieren.
Nachbearbeitung: wenig, aber für alle gleich
Bearbeite das erste Bild, bis es passt, und übertrage dieselben Werte auf alle anderen. Mehr als das brauchst du selten:
- Ausrichten und zuschneiden, immer auf dasselbe Format.
- Belichtung leicht anheben, bis der weiße Hintergrund wirklich weiß wirkt.
- Weißabgleich korrigieren, falls ein Farbstich zu sehen ist.
- Kontrast minimal anheben, mehr nicht.
Finger weg von Filtern, die Farben verschieben. Wenn der Pullover im Bild senfgelb aussieht und in Wirklichkeit ockerfarben ist, kommt er zurück. Ein Hinweis noch zu KI-Werkzeugen: Freistellen ist meist unproblematisch, sobald ein Werkzeug aber Bildbereiche neu erfindet, Objekte entfernt oder Szenen erzeugt, greift die Kennzeichnungspflicht nach der EU-KI-Verordnung. Mehr dazu in KI Kennzeichnung von Bildern auf der Website umsetzen. Das ist keine Rechtsberatung, im Zweifel fragst du eine Anwältin oder einen Anwalt.
Wann du besser jemanden dazuholst
Selbst fotografieren lohnt sich bei Produkten, die sich oft ändern, bei kleinen Serien und bei allem, was du regelmäßig nachlegst. Hol jemanden dazu, wenn Glas, Spiegelndes oder Schmuck im Spiel ist, wenn Menschen mit aufs Bild sollen, oder wenn die Bilder auch gedruckt werden. Ein guter Mittelweg ist eine Sitzung mit Profi für die Startseite und die wichtigsten Motive, den Rest machst du selbst im selben Stil.
Für Bilder vom Betrieb selbst, also Werkstatt, Team und Ladenlokal, gelten etwas andere Regeln, die stehen in Fotos vom eigenen Betrieb, Anleitung für das Handy.
Häufige Fragen
Brauche ich eine Lichtbox?
Für kleine Produkte bis etwa Schuhkartongröße kann sie den Aufbau vereinfachen. Sie ersetzt aber kein gutes Fensterlicht, und bei größeren Artikeln wird sie schnell zu klein. Fang mit Papier und Karton an.
Weißer Hintergrund oder lieber Holz und Stoff?
Beides, aber getrennt. Weiß für das Hauptbild, weil es überall funktioniert und die Übersichtsseite ruhig hält. Holz, Stoff oder Werkstattumgebung für die Anwendungsbilder.
Wie viele Bilder pro Produkt sind zu viele?
Wenn der Kunde wischen muss, bis er wieder am Anfang ist, ohne Neues gesehen zu haben. Fünf gute Bilder schlagen zwölf ähnliche.
Der nächste Schritt ist ein Testlauf: Räum einen Tisch ans Fenster, fotografiere drei Produkte im exakt gleichen Aufbau und leg die Bilder danach nebeneinander. Wenn sie zusammenpassen, hast du deinen Standard gefunden und kannst den Rest in Serie abarbeiten.
Schreib uns, was du vorhast, wir melden uns mit einer ehrlichen Einschätzung.
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