Visitenkarte, Flyer und Website aufeinander abstimmen

Die Flyer kommen aus der Druckerei und das Blau ist nicht dein Blau. Auf dem Bildschirm leuchtet es, auf dem Papier wirkt es stumpf und einen Tick zu lila. Danebengelegt sieht es aus, als wären das zwei Firmen.
Dazu kommen die Klassiker: Die Visitenkarte zeigt noch die alte Handynummer, der Flyer eine andere Adresse als die Website, und das Logo auf dem Papier hat einen Rahmen, den es online nicht gibt. Jedes Detail für sich ist harmlos. Zusammen sorgen sie dafür, dass Kunden dich beim zweiten Kontakt nicht sicher wiedererkennen.
Hier steht, wie du Papier und Bildschirm zusammenbringst: warum Farben unterschiedlich aussehen, welche Dateien du wirklich brauchst und welche drei Dinge überall gleich sein müssen.
Print und Web abstimmen heißt: eine Quelle für alles
Der häufigste Fehler ist nicht die falsche Farbe, sondern die verstreute Ablage. Das Logo liegt in vier Versionen auf drei Rechnern, die Druckerei hat noch eine fünfte, und niemand weiß, welche aktuell ist.
Leg deshalb einen einzigen Ordner an, am besten in der Cloud, damit auch Dienstleister ihn ohne Nachfrage öffnen können. Darin liegen: Logo in allen nötigen Formaten, die Farbwerte als Textdatei, die Schriften und die aktuellen Kontaktdaten. Ab diesem Moment gibt es keine Diskussion mehr darüber, welche Datei die richtige ist.
Alles Weitere in diesem Beitrag setzt auf diesem Ordner auf. Wie du daraus eine kurze schriftliche Regel machst, steht in Markenhandbuch light, die wichtigsten Regeln kurz notiert.
Warum Farben auf Papier anders aussehen
Der Bildschirm mischt Farben aus Licht, der Druck aus Farbe auf Papier. Der Bildschirm arbeitet mit Rot, Grün und Blau, der Offsetdruck mit Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz. Manche kräftigen Bildschirmfarben, besonders leuchtendes Orange, Grün und Blau, lassen sich im Vierfarbdruck schlicht nicht in gleicher Intensität erzeugen.
Dazu kommt das Papier: Der gleiche Farbauftrag wirkt auf ungestrichenem Naturpapier matter und dunkler als auf glänzend gestrichenem. Ein Flyer und eine Visitenkarte auf unterschiedlichen Papieren können deshalb leicht unterschiedlich aussehen, obwohl die Datei identisch ist.
Was du daraus praktisch machst
- Leg deine Hausfarbe nicht am Bildschirm fest, sondern schau sie dir gedruckt an. Farbfächer der Druckerei oder ein Andruck kosten wenig Zeit und ersparen dir die Enttäuschung nach der Auflage.
- Notiere für jede Hausfarbe drei Werte: den Hex-Wert fürs Web, die CMYK-Werte für den Druck und falls vorhanden die Sonderfarbe. Diese Zuordnung legst du einmal fest und ändert sie nie ohne Grund.
- Erwarte keine hundertprozentige Übereinstimmung. Ziel ist, dass niemand den Unterschied bemerkt, wenn Karte und Website nicht direkt nebeneinander liegen.
- Vermeide Farben, die im Druck erfahrungsgemäß kippen, wenn du viel Print planst. Welche Farben auf Schild, Papier und Bildschirm gleichermaßen funktionieren, steht in Farben wählen, die auf Schild und Bildschirm wirken.
Die Dateien, die du wirklich brauchst
Wenn dein Logo nur als kleines Bild aus einer alten Mail existiert, wird jeder Druckauftrag zur Bastelei. Diese Sammlung deckt praktisch alles ab, was im Betrieb vorkommt:
- Vektordatei als SVG, EPS oder PDF. Sie lässt sich von der Visitenkarte bis zur Fahrzeugbeschriftung beliebig vergrößern, ohne unscharf zu werden. Das ist die Datei, die die Druckerei will.
- PNG mit transparentem Hintergrund für Web, Präsentationen und alles, was auf farbigem Grund liegt.
- Einfarbige Fassung in Schwarz und in Weiß für Stempel, Gravuren, Arbeitskleidung und dunkle Hintergründe.
- Fotos in Druckauflösung, also die Originale direkt aus der Kamera. Bilder, die schon fürs Web verkleinert wurden, sind für den Druck meist zu klein. Umgekehrt gehören Druckoriginale nie ungeprüft auf die Website, weil sie die Seite ausbremsen.
Für die Druckdaten selbst gelten zwei Standards, nach denen fast jede Druckerei fragt: Bilder mit rund 300 dpi in der Endgröße und ringsum etwa 3 mm Anschnitt, damit beim Schneiden keine weißen Blitzer entstehen. Frag im Zweifel vorher nach, jede Druckerei stellt ihre Vorgaben bereit.
Drei Dinge, die überall gleich sein müssen
Wiedererkennung entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Wiederholung. Diese drei Elemente tragen den größten Teil:
- Das Logo in derselben Fassung. Nicht mal mit Schriftzug, mal ohne, mal mit Zusatz „seit 1998“. Leg eine Hauptfassung fest und benutz die Varianten nur dort, wo die Hauptfassung technisch nicht geht.
- Die Schrift. Wenn die Website eine moderne serifenlose Schrift nutzt und der Flyer aus dem Textprogramm in Times New Roman kommt, ist der Bruch sofort sichtbar. Wie du eine Schriftwahl triffst, die überall verfügbar ist, steht in Schriften auswählen und im Betrieb konsequent nutzen.
- Die Bildsprache. Entweder echte Fotos aus dem Betrieb oder Symbolbilder, aber nicht gemischt. Nichts entlarvt einen Auftritt schneller als der lächelnde Handwerker aus der Bilddatenbank neben dem echten Team.
Die Brücke vom Papier zum Bildschirm
Ein Flyer im Briefkasten ist eine Sackgasse, wenn er nur eine Adresse zeigt. Menschen tippen ungern lange Webadressen ab. Was funktioniert:
- Kurze, sprechende Adresse. Deine Domain ohne Unterseite, ohne www davor, in gut lesbarer Größe. Wer den Flyer in der Hand hat, soll die Adresse aus dem Augenwinkel behalten können.
- QR-Code, der irgendwo Sinnvolles landet. Nicht auf der Startseite, sondern dort, wo das Versprechen des Flyers eingelöst wird: die Speisekarte, das Terminformular, die Aktionsseite. Und dann teste ihn mit zwei verschiedenen Handys, bevor gedruckt wird.
- Dieselbe Formulierung auf beiden Seiten. Wenn der Flyer „Winteraktion“ verspricht, muss auf der Zielseite auch „Winteraktion“ stehen. Sonst denkt der Besucher, er sei falsch gelandet.
- Ein Weg zurück. Auch die Website sollte zeigen, dass es einen Laden, ein Schild und einen Firmenwagen gibt. Wie du den Auftritt draußen und online zusammenbringst, steht in Firmenwagen, Schild und Website in einem Auftritt.
Was auf welches Medium gehört
Ein häufiger Grund für unruhige Gestaltung ist, dass jedes Medium alles erzählen soll. Sinnvolle Arbeitsteilung:
- Visitenkarte: Name, Funktion, Betrieb, Telefonnummer, E-Mail, Domain. Mehr nicht. Ein Leistungskatalog auf der Rückseite wird nicht gelesen.
- Flyer: ein Anlass, ein Angebot, ein klarer nächster Schritt. Wer den Flyer für alle Leistungen gleichzeitig benutzt, erreicht niemanden.
- Website: die vollständige Fassung. Alle Leistungen, Öffnungszeiten, Anfahrt, Referenzen, Pflichtangaben. Sie ist der einzige Ort, den du jederzeit korrigieren kannst.
Weil gedruckte Sachen sich nicht mehr ändern lassen, gilt für Print eine einfache Regel: Je kürzer die Haltbarkeit einer Angabe, desto weniger gehört sie aufs Papier. Preise, Öffnungszeiten in Sonderwochen und Personennamen ändern sich. Die Domain nicht.
Häufige Fragen
Muss das Blau auf dem Flyer exakt dem Blau der Website entsprechen?
Exakt geht technisch nicht, weil Licht und Druckfarbe verschieden funktionieren. Ziel ist, dass es niemandem auffällt. Dafür legst du deine Farbe einmal gedruckt fest und leitest den Bildschirmwert davon ab, nicht umgekehrt.
Kann ich Flyer selbst im Textprogramm gestalten?
Für einen internen Aushang ja. Für alles, was Kunden in die Hand bekommen, wird es schwierig, weil Anschnitt, Farbraum und eingebettete Schriften dort selten sauber herauskommen. Wenn du es trotzdem selbst machst, exportiere als PDF und lass die Druckerei vorab prüfen.
Was mache ich mit dem Karton alter Visitenkarten, auf denen die falsche Nummer steht?
Wegwerfen. Eine durchgestrichene und handschriftlich korrigierte Nummer kostet dich mehr Vertrauen, als der Nachdruck kostet. Bestell künftig kleinere Auflagen, dann tut die nächste Änderung nicht weh.
Fang mit dem Ordner an: eine Ablage, in der Logo, Farbwerte, Schriften und aktuelle Kontaktdaten liegen. Danach legst du Visitenkarte, Flyer und die Startseite nebeneinander auf den Tisch und markierst jede Stelle, die nicht zusammenpasst. Diese Liste ist deine Reihenfolge.
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