Zahlungsarten im Shop, welche du wirklich brauchst

Bei der Einrichtung eines neuen Shops kommt irgendwann der Bildschirm mit den Bezahlwegen. Zwei Dutzend Möglichkeiten, jede mit eigenem Vertrag, eigenen Gebühren und eigenem Kleingedruckten. Die naheliegende Reaktion ist, möglichst viele anzuhaken, damit niemand abspringt.
Das Gegenteil ist richtig. Jede zusätzliche Zahlungsart bedeutet einen weiteren Vertragspartner, eine weitere Abrechnung in der Buchhaltung und eine weitere Fehlerquelle, wenn eine Zahlung mal nicht ankommt. Und die Auswahl im Bestellvorgang wird unübersichtlich, was ihrerseits Abbrüche erzeugt.
Hier steht, welche Bezahlwege in einem kleinen Shop tatsächlich gebraucht werden, welche sich später lohnen und welche du getrost weglässt.
Zahlungsarten im Onlineshop: der Kern, der fast immer reicht
Für den Start decken drei Wege den allergrößten Teil der Bestellungen ab:
- Karte. Kreditkarte und Debitkarte, über den eingebauten Zahlungsanbieter deines Shopsystems. Das ist der Weg mit dem geringsten Einrichtungsaufwand, weil Abrechnung und Erstattung im selben System liegen.
- Ein gängiger Bezahldienst mit Käuferkonto. Viele Kundinnen und Kunden haben dort ihre Adresse hinterlegt und müssen nichts abtippen. Das allein senkt Abbrüche spürbar, gerade auf dem Handy.
- Zahlung per Handy-Wallet. Apple Pay und Google Pay kosten dich in der Regel keinen zusätzlichen Vertrag, weil sie über deinen bestehenden Kartenanbieter laufen. Für Bestellungen unterwegs sind sie der schnellste Weg, weil Adresse und Zahlung in einem Schritt bestätigt werden.
Wenn dein Shop ein Ladenlokal hat, kommt ein vierter Punkt dazu, der kein Zahlungsanbieter ist: die Barzahlung bei Abholung. Für Betriebe in Mosbach, Buchen oder Obrigheim ist das oft die meistgenutzte Variante überhaupt, sie kostet dich nichts und bringt Leute in den Laden.
Was Kundschaft in Deutschland tatsächlich erwartet
Die Erwartung unterscheidet sich stark nach Warenkorbwert und Alter der Zielgruppe. Grob gilt:
- Bei kleinen Beträgen und schnellen Käufen entscheidet Bequemlichkeit. Wallet und Bezahldienst gewinnen.
- Bei hohen Beträgen und erklärungsbedürftiger Ware entscheidet Sicherheit. Käuferschutz und Kauf auf Rechnung werden wichtiger.
- Bei Stammkunden aus dem Ort entscheidet Gewohnheit. Wer bei dir sonst bar zahlt, will das auch bei der Onlinebestellung mit Abholung tun.
Was du dagegen selten brauchst: exotische Regionalzahlarten, Kryptowährungen, Ratenmodelle bei kleinen Beträgen. Die kosten Vertragsaufwand und liefern kaum Bestellungen.
Was dich eine Zahlungsart wirklich kostet
Beim Vergleich lohnt es sich, nicht nur auf den Prozentsatz zu schauen. Diese Punkte gehören dazu:
- Die Transaktionsgebühr, meist ein Prozentsatz plus Festbetrag pro Bestellung. Bei kleinen Warenkörben ist der Festbetrag der relevantere Teil.
- Monatliche Grundgebühren, falls vorhanden.
- Gebühren bei Erstattungen und Rücklastschriften. Bei Sortimenten mit vielen Retouren ist das kein Nebenschauplatz.
- Die Auszahlungsfrist. Geld, das erst in zwei Wochen kommt, ist bei knapper Liquidität ein echtes Thema.
- Der Buchhaltungsaufwand. Jeder Anbieter liefert eigene Abrechnungen, die jemand zuordnen muss.
Der ehrlichste Vergleich entsteht, wenn du deinen typischen Warenkorb nimmst und ausrechnest, was von einer Bestellung nach Zahlungsgebühr und Versand übrig bleibt. Wie du den Versandteil dieser Rechnung sauber aufmachst, steht in Versand und Verpackung im Shop sinnvoll kalkulieren.
Kauf auf Rechnung: der Sonderfall
Rechnungskauf ist in Deutschland beliebt, und er senkt Abbrüche bei höheren Beträgen deutlich. Er hat aber zwei Gesichter.
Über einen Anbieter
Ein Zahlungsdienstleister übernimmt das Ausfallrisiko und zahlt dir das Geld, unabhängig davon, ob der Kunde zahlt. Das kostet mehr als andere Wege, ist dafür aber planbar. Für die meisten kleinen Shops ist das der einzige sinnvolle Weg zum Rechnungskauf.
Auf eigene Rechnung
Du schickst die Ware und wartest auf das Geld. Bei Stammkunden und bei Vereinen oder Firmen als Bestellern kann das passen. Bei fremden Erstbestellern trägst du Ausfall und Mahnaufwand selbst. Wer das anbieten will, sollte es auf bekannte Besteller oder auf Abholung begrenzen.
Vorkasse: selten die richtige Antwort
Vorkasse per Überweisung kostet dich fast nichts, verschiebt aber den Versand um Tage und verlangt vom Kunden, dass er selbst aktiv wird. Als einzige Zahlungsart bremst sie deinen Shop aus. Als Ergänzung für Sonderanfertigungen oder große Beträge ist sie in Ordnung, dann aber mit klarer Ansage, wann geliefert wird.
Wo die Zahlungsarten sichtbar sein müssen
Die Bezahlwege gehören nicht erst in den letzten Schritt der Kasse. Sinnvoll sind drei Stellen: kleine Symbole im Fußbereich jeder Seite, ein Hinweis auf der Produktseite und eine eigene Seite "Zahlung und Versand", die du im Fuß verlinkst. Wer erst an der Kasse merkt, dass sein bevorzugter Weg fehlt, bricht ab, und das taucht in keiner Auswertung als Grund auf. Mehr zu solchen Stolperstellen steht in Warenkorb Abbrüche verstehen und den Checkout entlasten.
Zu den Angaben rund um Zahlung, Lieferzeit und Widerruf gibt es außerdem Pflichten, die im Shop erfüllt sein müssen. Welche das sind, steht in Rechtstexte im Onlineshop, Widerruf und Pflichtangaben. Das ist keine Rechtsberatung, im Zweifel fragst du eine Anwältin oder einen Anwalt.
So gehst du vor
- Start mit Karte, einem Bezahldienst und Wallet.
- Wenn du einen Laden hast: Abholung mit Barzahlung dazu, siehe Lokal verkaufen mit Shopify, Abholung im Laden anbieten.
- Nach ein paar Wochen in die Auswertung schauen: Welcher Weg wird genutzt, welcher gar nicht?
- Ungenutzte Wege wieder abschalten, statt sie mitzuschleppen.
- Rechnungskauf erst dann ergänzen, wenn der durchschnittliche Warenkorb hoch genug ist, dass sich die Gebühr lohnt.
Häufige Fragen
Schreckt eine kurze Liste an Zahlungsarten Kunden ab?
Nur wenn ein üblicher Weg komplett fehlt. Drei gut sichtbare Optionen wirken aufgeräumter als zehn, von denen die Hälfte niemand kennt.
Darf ich für eine Zahlungsart einen Aufschlag verlangen?
Bei gängigen Karten- und Lastschriftzahlungen ist ein Aufschlag in der EU nicht zulässig. Bei anderen Wegen gelten eigene Regeln. Kläre das vor der Einrichtung ab, statt es hinterher zu korrigieren.
Was passiert, wenn eine Zahlung fehlschlägt?
Der Bestellvorgang bricht ab und die Bestellung bleibt offen liegen. Richte dir eine Benachrichtigung dafür ein und melde dich bei diesen Kunden, das sind die einfachsten Rettungen, die es im Shopalltag gibt.
Der nächste Schritt: Rechne für deinen typischen Warenkorb aus, was nach Zahlungsgebühr und Versand übrig bleibt, und schalte danach jeden Bezahlweg ab, den in den letzten Wochen niemand genutzt hat.
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